Die Geschichte der Universität Flensburg der letzten
Jahre ist in quantitativer und qualitativer Hinsicht eine Erfolgsstory.
Seit dem Jahr 1989 hat sich die Studierendenzahl von 736 auf mehr als 4300
Studierende mehr als versechsfacht. Das Interesse an und die Attraktivität
der Universität Flensburg sind ungebro-chen. In diesem Semester konnten
mehr als 3000 Bewerbungen auf 1000 Studienplätze verzeichnet werden,
d.h. zwei von drei Studienbewerber(inne)n mussten abgelehnt werden.
Trotz außerordentlich begrenzter finanzieller Ressourcen wurden in den
letzten Jahren Stu-diengänge beständig weiter entwickelt, zum Teil
grundsätzlich verändert und neue innovative Studiengänge aufgebaut
und etabliert. Weitere Studiengänge sind in der Planung weit gediehen
(z.B. Bachelor- und Masterstudiengänge Educational Science, Prävention
und Gesundheitsförderung, Kultur/Sprache/Medien, European Studies, European
Overseas Campus).
Mit großem Aufwand, Engagement, Kreativität und Unterstützung
durch die Landeskommission Lehrerbildung wurde das Studium der Lehrämter
an der Universität Flensburg reformiert, so dass ab diesem Wintersemester
2005/2006 auch das Studium der Lehrämter polyvalent an gelegt ist und
der international üblichen Bachelor-/Master-Struktur entspricht..
Seit über 10 Jahren bietet die Universität Flensburg gemeinsame
wirtschafts- und kulturwis-senschaftliche Studiengänge mit der Syddansk
Universitet an. Mehr als 1000 Studierende und mehr als 50 Professor(inn)en
und Dozent(inn)en studieren, lehren und forschen in diesen Studiengängen
beiderseits der Grenze. Deutsche und dänische Studierende sind gleichzeitig
an der Universität Flensburg und der Syddansk Universitet eingeschrieben,
deutsche und dänische Dozent(inn)en sind in Forschung und Lehre an beiden
Universitäten engagiert. Es ist unbestritten, dass diese Studiengänge
einzigartig in Europa und nur aufgrund der besonderen Grenzregion, der kulturell-geschichtlichen
Situation dieser Region und des Engagements der Menschen in dieser Region
zustande gekommen sind.
Insbesondere die wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge sind zudem
durch eine be-merkenswerte Unterstützung der regionalen Wirtschaft in
vielfältiger Form (Stiftungsprofessuren sowie finanzielle, organisatorische
und ideelle Unterstützung) gekennzeichnet und wären ohne diese nicht
realisierbar gewesen. Allein vier Stiftungsprofessuren (Professuren für
Kleine und Mittlere Unternehmen, Medienmanagement, Energie- und Umweltmanagement,
Innovationsmanagement) machen das außerordentliche Engagement der Wirtschaft
in Flensburg deutlich.
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Weitere kultur-, wirtschafts- und vermittlungswissenschaftliche Studiengänge
– auch mit der Syddansk Universitet – sind in Planung, die zum
Ziel haben, die positive Entwicklung der Universität Flensburg als Leuchtturm
in der Region auch in weiteren Bereichen zu befördern.
Die Universität Flensburg ist eine der wenigen Universitäten in
Deutschland, die schon einen Großteil der Studiengänge in die geforderte
Bachelor-/Master-Struktur umgewandelt hat und auf eine Tradition grenzüberschreitender
und internationaler Zusammenarbeit im Hochschulbereich zurückblicken
kann.
Die Universität Flensburg ist nicht nur ein bedeutsamer Wissenschaftsstandort
in Schleswig-Holstein, sondern auch ein kultureller und wirtschaftlicher Faktor
für die Stadt und die Region. 4300 Studierende, mehr als 200 dauerhaft
Beschäftigte und mehr als 200 Gastdozent(inn)en und Lehrbeauftragte prägen
in vielerlei Hinsicht Stadt und Region.
Mit diesen Entwicklungen ist die Universität Flensburg auch den immer
wieder formulierten Vorschlägen verschiedener Kommissionen gefolgt und
sie hat gezeigt, dass sie aus eigener Kraft, aber insbesondere auch mit großer
Unterstützung der regionalen Wirtschaft und Politik eine erfolgreiche
Entwicklung durchläuft.
Vor gut zwei Jahren hat die hochrangig besetzte Erichsen-Kommission mit großem
Aufwand das Hochschulsystem in Schleswig-Holstein evaluiert. In dem abschließenden
Bericht wurde ein weiteres Mal festgestellt, dass das Hochschul- und Wissenschaftssystem
in Schleswig-Holstein vor drei grundsätzlichen Problemen steht: Unterfinanzierung,
Unterdimensionierung (d.h. zu wenig Studienplätze) und Bürokratisierung
(d.h. insbesondere staatliche Überregulierung). Die Erichsen-Kommission
hat vor diesem Hintergrund Lösungsvorschläge unterbreitet, die sich
zum Teil noch in der Umsetzung befinden, sicherlich aber noch nicht konsolidiert
und abschließend bewertet werden können.
Das Rektorat der Universität Flensburg sieht die Notwendigkeit, diesen
Sanierungsprozess voranzutreiben und ist bereit, sich daran engagiert zu beteiligen.
Die jetzt vorliegenden Eckwerte des Wissenschaftsministeriums zu einem neuen
Hoch-schulgesetz stoßen allerdings an der Universität Flensburg
auf große Skepsis, da zu befürchten ist, dass die positiven Entwicklungen
der Universität Flensburg nachhaltig beeinträchtigt oder sogar verunmöglicht
werden. Derzeit ist insbesondere nicht erkennbar, warum und wie die geplante
„Landesuniversität“ die genannten grundsätzlichen Probleme
lösen und zugleich die Standorte stärken will. Ziele, Organisation,
Leitung und Finanzierung einer „Landesuniversität“ sind bislang
noch ungeklärt. Wir sehen derzeit nicht, dass durch dieses Konzept nennenswerte
Einsparungen entstehen. Wir befürchten sogar, dass die finanzielle (aber
auch die ideelle) Un-terstützung der Stadt, der Region und der Wirtschaft
für die Universität Flensburg gefährdet wird. Es sollte zudem
berücksichtigt werden, dass die Idee einer „Landesuniversität“
von der Erichsen-Kommission – obwohl damals deutlich in der Diskussion
- nicht als Lösungsansatz der genannten Probleme des Landes betrachtet
wurde.
Das Rektorat der Universität Flensburg ist bereit, sich konstruktiv an
der Erarbeitung eines neuen Hochschulgesetzes zu beteiligen. Dies setzt jedoch
einige Rahmenbedingungen voraus:
1. Die Universität Flensburg wird in den Prozess der Erarbeitung eines
neuen Hochschul-gesetzes umfassend eingebunden.
2. Der universitäre Standort Flensburg bleibt erhalten.
3. Erfolgreiche Studiengänge und Forschungsschwerpunkte können in
Flensburg weiter entwickelt und profiliert werden.
4. Der universitäre Standort Flensburg wird nachhaltig und langfristig
gestärkt; polyvalente Entwicklungen können weiter verfolgt werden.
5. Die deutsch-dänischen Studiengänge müssen am Standort Flensburg
erhalten bleiben.
6. Es werden Bedingungen geschaffen, die eine autonome Entwicklung des Standortes
in quantitativer und qualitativer Hinsicht weiterhin ermöglichen. Dies
beinhaltet, dass die Universität Flensburg die finanziellen Rahmenbedingungen
erhält, die an den anderen Wissenschaftsstandorten in Schleswig-Holstein
üblich sind.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die
mögliche Zusammenlegung der drei Universitäten Kiel, Lübeck und
Flensburg zu einer Landesuniversität arbeitet die Fachhochschule Flensburg
an einem eigenständigen Modell zu ihrer eigenen Weiterentwicklung. „Nach
dem uns vorgelegten Entwurf der Landesregierung gibt es derzeit keine Überlegungen,
die mögliche Zusammenlegung von Hochschulen auch auf den Bereich der Fachhochschulen
auszudehnen“, sagte Rektor Prof. Dr. Werner Schurawitzki.
Dennoch müsse man sich in diesem Zusammenhang aber überlegen, wie
die Hochschullandschaft in Schleswig-Holstein auf Dauer wettbewerbsfähiger
gemacht werden könne. Die Diskussion um die leistungsorientierte Mittelzuweisung
an die Hochschulen im Landtag und im Bildungsausschuss des Landtags sowie die
Zurückverweisung des Entwurfs an das Fachministerium zeigen deutlich, wie
eng hier die Grenzen gesetzt sind.
Die Frage der Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen muss aber im Bereich
der Fachhochschulen ganz anders beantwortet werden als im Bereich der Universitäten.
Prof. Dr. Schurawitzki legte hierzu Zahlen des Statistischen Bundesamtes vor:
„Die Diskussion um die Fusion der Universitäten ist nach den Ausführungen
des Wissenschaftsministers und des zuständigen Staatssekretärs eng
mit der Frage der erforderlichen kritischen Masse im nationalen und internationalen
Vergleich verbunden. Im Bereich der Fachhochschulen stellt sich diese Frage
nach erforderlicher Größe und Leistungsfähigkeit ganz anders.
Die Fachhochschule Flensburg hat es beispielsweise seit dem Jahr 2000 geschafft,
ihre Studierendenzahl von damals 2000 Studierende auf nunmehr über 3180
Studierende zu steigern. Hiermit liegen wir genau im Bundesdurchschnitt, der
mit rund 3200 Studierenden je Fachhochschule angesetzt ist. Danach verfügt
eine FH im Bundesdurchschnitt zur Ausbildung dieser 3200 Studierenden über
370 Personalstellen, davon 250 im wissenschaftlichen und künstlerischen
Bereich. Die Fachhochschule Flensburg hat demgegenüber nach den Zahlen
des Bundesamtes lediglich 260 beziehungsweise 156 Stellen für die Ausbildung
zur Verfügung. Dies sind gerade einmal 70 Prozent der Ausstattung, die
bundesweit für eine gute Fachhochschulausbildung nötig sind. Dennoch
bilden wir seit mehreren Jahren ebenso viele Studierende aus wie die besser
ausgestatteten Fachhochschulen im Bundesvergleich. Gleichzeitig sind wir besonders
stark in der angewandten Forschung und im Technologietransfer engagiert. Dennoch
sollten uns aber nach dem ursprünglichen Entwurf des Ministeriums zur leistungsorientierten
Mittelzuweisung 240.000 Euro aus dem Haushalt für 2006 abgezogen werden.
Dies würde bedeuten, dass an der Fachhochschule Flensburg die Ausstattung
im Bundesvergleich noch weiter zurückfallen würde und die Hochschulentwicklung
zum Stillstand käme. Diese Vorgehensweise befähigt die Hochschulen
eben gerade nicht, sich dem Bundesvergleich zu stellen.“
Auch der seit mehreren Jahren von der Hochschul-Informations-Systeme GmbH in
Hannover (HIS GmbH) durchgeführte Ausstattungsvergleich der norddeutschen
Hochschulen zeigt eindeutig, dass die Fachhochschule Flensburg im Vergleich
zu den anderen Hochschulen eine sehr kostengünstige und effiziente Ausbildung
sicherstellt. Diese Ergebnisse haben unter anderem dazu beigetragen, dass die
Fachhochschule Flensburg bei dem Gutachten der in den Jahren 2002/2003 tätigen
Expertenkommission unter Leitung von Prof. Dr. Hans-Uwe Erichsen sehr gut abgeschnitten
hat. Ein solches Ergebnis war nur dadurch möglich, dass sich die Fachhochschule
bereits sehr frühzeitig auf die veränderten Rahmenbedingungen eingestellt
und einen Zukunftsausschuss gebildet hat, in dem beraten wurde, wie unter den
Rahmenbedingungen stagnierender oder rückläufiger öffentlicher
Haushalte eine qualitativ hochwertige Lehre sichergestellt werden könne,
sagte Schurawitzki.
Die Fachhochschule Flensburg plädiert in diesem Zusammenhang dafür,
die Diskussion um die Wettbewerbsfähigkeit der schleswig-holsteinischen
Hochschulen dahingehend zu versachlichen, dass die Hochschulen mit dem Wissenschaftsministerium
und dem Bildungsausschuss des Landtags zusammen ein Modell der Leistungsorientierung
erarbeiten, dass die Hochschulen tatsächlich stärkt. „Alleine
mir liegen hierzu auf der Basis der bundesamtlichen Statistik circa 33.000 Einzeldaten
aller bundesdeutschen Hochschulen vor“, sagte Schurawitzki, „die
ich bereits mit den entsprechenden Daten der Fachhochschule Flensburg in Beziehung
gesetzt habe, um ein Konzept zu erarbeiten, wie wir auch in Zukunft wettbewerbsfähig
bleiben. Ein solches Modell wäre auch für die gesamte Diskussion um
die schleswig-holsteinischen Hochschulen als Beitrag zur Versachlichung wünschenswert.“
Stadt Flensburg für Effizienzsteigerung der Flensburger Hochschulen
Auch die Stadt Flensburg wird sich nachhaltig für einen starken Hochschulstandort
Flensburg bei der Landesregierung einsetzten. „Die Pläne des Wissenschaftsministeriums
zur Hochschulfusionsdiskussion betrachten wir als ergebnisoffen. Wir sind für
einen sachorientierten und konstruktiven Dialog, an dessen Ende aber nur eine
Effizienzsteigerung der Flensburger Hochschulen stehen kann. Die Gründe
hierfür liegen klar auf der Hand. Auf dem hochmodernen Flensburger Campus
arbeiten und studieren insgesamt 8000 Menschen, also fast ein zehntel der Einwohnerzahl
Flensburgs. Der Hochschulstandort Flensburg hat sich mit der Universität
und der Fachhochschule grenzübergreifend einen Namen gemacht und ist als
Wirtschaftsfaktor unverzichtbar für die Region geworden. Stetig steigende
Studierendenzahlen an beiden Hochschulen belegen, dass die Region Flensburg
für junge Menschen aus dem In- und Ausland, was Wohn- und Lebensqualität
und auch Lebenshaltungskosten anbetrifft, immer attraktiver wird. Deshalb wäre
es von der Landesregierung nur sachgerecht, die Flensburger Hochschulen in Zukunft
personell und finanziell so auszustatten, um im Wettbewerb der Hochschulen national
und international nicht den Anschluss zu verlieren“, so der Flensburger
Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner.
Wirtschaft braucht starke Hochschulen Vor Ort
Nach Auffassung der Industrie- und Handelskammer zu Flensburg sind attraktive
Hochschulen in den Regionen für die Wirtschaft wichtig, weil sie für
die Innovationskraft eine große Bedeutung haben. „Ein attraktiver
Hochschulstandort ist Image prägend für eine Region“, sagte
der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Flensburg, Klaus
Markmann. Um nicht den Vorsprung zu verlieren, müssten die Hochschulen
so ausgestattet werden, dass immer wieder neue Kompetenzen aufgebaut werden
könnten. Markmann räumte zugleich ein, dass es angesichts der knappen
Kassen Sinn mache, den Mitteleinsatz effizient vorzunehmen. „Doppelarbeit
ist zu vermeiden, auch um eine Profilbildung der Hochschulen zu erreichen.
Daher spreche sich die Wirtschaft für eine Optimierung der Leistungsfähigkeit
der Hochschulen durch klare Profilbildung und Verbesserung des Mitteleinsatzes
aus. Zudem müsse der Wissens- und Technologietransfer ausgebaut und die
Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Wirtschaft verbessert werden. „Für
die ganze Region geht es doch letztlich um die Frage, wie wir die Regionen in
Zukunft aufstellen, um dem internationalen Konkurrenzdruck gewachsen zu sein.“
Die vier Stiftungsprofessuren an der Universität Flensburg bezeichnete
der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer als ein Beleg für
das hohe Engagement der regionalen Wirtschaft für einen starken Universitätsstandort
Flensburg. „Diese Stiftungsprofessuren haben zu systematischen und dauerhaft
angelegten Kooperationen zwischen Hochschule und Wirtschaft geführt. Dies
gilt es für die Zukunft auszubauen.“ Besonderes Merkmal der Universität
Flensburg sei die gute Kooperation mit der Syd Dansk Universität. Hier
würde bereits so bei der Bildung kooperiert, wie es auch für den Arbeitsmarkt
wünschenswert sei.
Klaus Markmann wies außerdem auf die Bedeutung von Studenten als Wirtschaftsfaktor
hin. „Die von den Hochschulen in Flensburg ausgelösten Nachfrageimpulse
sind für unsere Region bedeutend.“ Statistisch verfügt nach
IHK-Angaben jeder der rund 8.000 Studierenden über etwas mehr als 750 Euro
pro Monat. Zweidrittel dieses Budgets würden für Ernährung, Wohnen
und Bekleiden ausgegeben. „Wenn alle 8.000 Studierende tatsächlich
in der Region wohnen würden, ist dies mit einer jährlichen Kaufkraft
von rund 40 Millionen Euro gleichzusetzen“, so Klaus Markmann.
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