(den zweiten Teil mit vielen schönen Fotos
finden Sie HIER)
- und den dritten Teil HIER
Jetzt ist die Flensburger Gruppe um das AAK Flensburg herum zum Gegenbesuch
in die Türkei gestartet. Hier die ersten Eindrücke in Form eines Tagebuches:
(Vielen Dank an Kai Schröder für den topaktuellen Bericht)

1.Tag Freitag, 30.09.05
Die Fahrt zum Flughafen verlief ohne Probleme, leider verspätete der Abflug
sich um 1 ½ Stunden. Mit unseren T-Shirts Aufschrift: Flensburg und Kirsehir
Jugendaustausch 2005 erweckten wir jede Menge Aufmerksamkeit. Wir trafen sogar
einige Promis: Udo Lindenberg und die SG Flensburg Handewitt
Ankunft in Ankara, tolle Begrüßung, die Polizei sperrt die Gruppe
ab um unseren Gastgeber ein Gruppenfoto zu ermöglichen,
Abfahrt, gedacht waren 80 km daraus wurden 180 km und eine 3 ½-stündige
Busfahrt.
Da wir zum Abendessen eintreffen sollten, wurde dieses natürlich noch um
4 Uhr morgens nachgeholt, es gab eine Hochzeitssuppe die eigentlich nur scharf
war und nach Zitrone schmeckte.
Anschließend in die Unterkunft, Zimmervergabe und bezeihen der Zimmer.
In Brittas (Erzieherin AAK e.V.) Zimmer lag ein Mitarbeiter des Hauspersonals
verbotener Weise im Bett, sodass sie ein neues Zimmer beziehen musste.
2.Tag Samstag 01.10.05
Nach einer sehr kurzen Nacht, die um 6 Uhr vom Gesang des Vorbeters,
unserem Mikrofonmann, unterbrochen wurde, der uns in einer 100 m entfernten
Moschee lautstark besang, ging es um 10 Uhr zum Frühstück.
Oliven, Feta, Salami, Erdbeermarmelade, Butter und Kaffee oder Tee waren zur
Auswahl im Angebot.
Abfahrt zu den 1. Unterirdischen Stadt in Mucur kühl und sehr verschlungen
in ca. 5 – 10 m Tiefe ging man durch kleiner und größere Höhlen,
die früher zu Aufbewahrung von Lebensmitteln und zum Schutz vor Angreifern
dienten.
Weiterfahrt zum Mittagessen, zu welchem uns der Bürgermeistern von Mucur
einlud. Satt und gut gestärkt ging es zur nächsten Ausgrabung. Mitten
in einer kargen Landschaft wartete schon ein sehr altern Dorfbewohner auf unser
eintreffen. Er war sehr begeistert von den Alemans, voller Stolz führte
er uns durch seine Höhle. Diese soll sich über 90 km unter der Erde
durch die Berge ziehen, wobei z.Z. nur ca. 5 % zu besichtigen sind.
Im Dorf sprach es sich schnell herum, dass Deutsche Besucher aus Flensburg anwesend
sind. Die Frauen bereiteten uns ein kleines Essen mit Airan und Böreck.
Gemeinsam wurde gegessen und sich über die Abwechselung im Dorf gefreut.
Sogar aus dem Nachbarort kamen die Menschen um uns zu begrüßen. Heimlich
wurden wir mit dem einzigen Foto-Handy fotografiert. Wir haben offen und um
so mehr Fotos gemacht. Einige unserer Teilnehmer trauten sich sogar auf den
Esel, den ein Bauer stolz präsentierte.
Von unseren Begleitern wurde uns vom Flamingosee vorgeschwärmt,
dieser sollte nun besucht werden.
Kurz vor dem See, endete die Straße mitten auf einer Koppel, der Busfahrer
dreht auf dieser und stecke fast fest.
Gespannt erwarteten wir die Flamingos, die aber leider wie der Busfahrer dann
erst erzählte Anfang September schon weggeflogen sind. Weiter ging es
wieder Richtung Kirsehir. Unerwartet befuhren wir auf einmal den größten
Bauernhof der Region. Nach kurzen Verhandlungen mit dem Wachpersonal befuhren
wir das Gelände, was überwiegend mit Schafhaltung ausgestattet war.
Die verantwortlichen erlaubten ns sogar einige Schafe anzufassen. Es war jetzt
ca. 17 Uhr und wir machten uns auf den weg in unsere Unterkunft. Nun hatten
wir eine Stunde Zeit uns für das bevorstehende Abendessen schick und
frisch zumachen.
In einem gutem Restaurant wurden wir von der Familie eines Jugendlichen aus
dem Jugendaustausch von 2004 zum Essen eingeladen. Begeistert wurden wir begrüßt
und es trafen nach und nach noch weitere Teilnehmer des Jugendaustausches
ein.
Statt und mit vielen neuen Eindrücken fuhren wir in die Unterkunft.
3. Tag Sonntag 02.10.05
Mit müden Gesichtern trafen wir uns beim Frühstück. Es gab sogar
Käse... Nach dem Frühstück um 10.00 Uhr fuhren wir mit dem Bus
ca. 45min zum japanischen Garten in Kaman gefahren, dort gab es Rasen umgeben
von der Steppe, der unterirdisch bewässert wird. Wir sahen Karpfen und
Wasserfälle, sogar Tannen gab es dort. Etwas Abseits vom Park wurden uns
„eifersüchtige“ Sträuße gezeigt. Der Farmbesitzer
zeigte uns ein Straußenei, das mit etwa 250 kg Gewicht belastet werden
kann. Er wollte es uns für umgerechnet 10 Euro verkaufen und ließ
nicht mit sich handeln, da er sie für äußerst selten hielt.
Anschließend fuhren wir in den Ort, um das Nötigste einzukaufen und
Mittag zu essen. Wir waren eine „Attraktion“ für die dort lebenden
Männer, denn wir waren blond... Auf der Weiterfahrt hielten wir bei wohl
dem ältesten Walnussbaum der Gegend. Der „alte Herr“ war stolze
400 Jahre alt?!. Die türkische Sage besagt, dass der stärkste Ast
beim Tod seines Säers abgefallen sein soll, zum Zeichen der Trauer.
Wir fuhren weiter zum Dadaloglu-Park in Kaman. Dort genossen wir einen unbeschreiblichen
Ausblick auf die Umgebung und wir konnten von dort auf die Stadt herabschauen.
Wir sahen dort eine Statue eines berühmten türkischen Musikers, viele
türkische Nationalflaggen und ein bunten Müllberg aus verschiedenem
Allerlei... Die Springbrunnen wurden aufgrund der Trockenheit abgestellt. Ihre
Schönheit blieb unserer Fantasie überlassen.
Unser treuer Busfahrer sammelte uns wieder ein und fuhr uns zu unserer Unterkunft,
um uns für den Abend frisch zu machen. Neu gestylt und frisch parfümiert
fuhren wir in die Stadt Kirsehir und hatten Zeit zur freien Verfügung.
Wir teilten uns in 3 Gruppen auf und machten jeder auf eine andere Weise die
Stadt unsicher. Die einen kauften mit Ali und Adem Reiseführer, trafen
türkische Studentinnen und gingen in einer Kaufhauskantine Nescafe trinken.
Eine andere Gruppe kaufte für etwa 2 Euro Oberteile. Unterwäsche wurde
schleunigst verpackt, bevor man zur Kasse ging. Man darf ja nicht wissen wofür
so ein BH da ist... Die Gruppe von Kai und Hakan wurde von einem türkischen
Bekannten auf Deutsch angesprochen und zum Tee eingeladen. Dafür nahm man
alle Umstände in Kauf: Man räumte eigentlich besetzte Tische, um uns
die Ehre zu erweisen, genau an Diesem Tisch, unseren Tee zu trinken. Man überschlug
sich schon fast für uns, denn noch bevor wir ausgetrunken hatten, sprach
uns der nächste Türke stolz auf Deutsch an, was keine Selbstverständlichkeit
ist, und lud uns in sein Restaurant ein. Wir lehnten dankend ab und gingen weiter.
Und schon hat es der nächste auf uns abgesehen:“ Deutsch? Guten Tag!
Kann ich helfen? Ist Dir kalt?“ .Der Türke legte sich voll ins Zeug
und bot uns seine gesamten Deutschkenntnisse an, doch wir sagten nur „Hallo“.
Der nächste, der auf uns zukam, war ein frisch Verheirateter, der jetzt
auch wirklich perfekt Deutsch konnte und Mitarbeiter in einem Jugendzentrum
in Hannover war. Er nutzte zugleich diese Chance, um Kontakte für einen
selbst organisierten Jugendaustausch aufzubauen. Dann war die Zeit schon um
und wir trafen uns wieder am Bus. Wir durften uns einmal wie wahre Prominente
fühlen, so umschwärmt wurden wir.
Den Abend verbrachten wir auf eine Einladung hin in einer türkischen Familie.
Wir wurden höflich empfangen und liebevoll bekocht und umsorgt. Es war
spannend, das türkische Familienleben kennen zu lernen.
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4. Tag Montag 03.10.05
Gegen 11 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Nevsehir. Nach zwei Stunden Busfahrt,
auf der wir wieder unsere Türkischkenntnisse verbesserten, trafen wir dort
eine Gruppe Jugendlicher aus Kiel. Diese veranstalten seit 1999 einen Jugendaustausch
mit der Universität in Nevsehir und machen eine kleine Rundreise durch
die Türkei. Der Tag stand unter der Planung des Kieler Jugendzentrums.
Wir fuhren zum Stadtmanagement, um dort gemeinsam Mittag zu essen. Überraschend
war, dass wir Metallteller wie in einer Kaserne hatten. Schon dort sah man einer
Annäherung skeptisch entgegen. Eigentlich stand ein Besuch bei dem dortigen
Bürgermeister an, doch unglücklicher (diese Ehre wollten die Kieler
für sich beanspruchen) Weise konnten wir dies nicht gemeinsam machen. Also
haben wir uns nach einer Stunde getrennt und sind in die Stadt gegangen. Wir
haben uns einen sehr großen Markt angeschaut und sind gemütlich durch
die Straßen gebummelt. Wir trafen uns gegen 16 Uhr 30 in deren Unterkunft
wieder und fuhren in eine „luxuriöse“ unterirdische Stadt,
für uns nichts Neues. Wieder am Tageslicht wollten einige auf ein Langnesesymbol
hin Eis kaufen. Wir mussten uns durch ein Lager von Frauen drängen, die
uns selbstgemachte Puppen verkaufen wollten, und sahen auf der Suche nach einem
Eisladen ein Schild mit der Aufschrift „Parti“ und freuten uns auf
den Abend, leider handelte es sich um eine politische Partei. Das gekaufte Eis
war geschmolzen, doch dem Hund hat das „Salmonelleneis“ geschmeckt.
Wir haben uns Postkarten und typische kappadokische Aschenbecher gekauft, Tee
getrunken und Tavlar (Backgammon) gespielt. Im Café haben wir türkische
Lifemusik zu hören bekommen und das Tanzfieber hat uns ergriffen.
Nach einem mehr oder weniger gemeinsamen Abendessen in der Unterkunft der Kieler
fuhren wir zu einem türkischen Abend, leider eine Stunde zu früh.
Zu unseren Ehren wurden eine türkische und eine deutsche Flagge in die
Steinwand genagelt. Um 9 Uhr kamen pünktlich die tanzenden Derwische des
Sufi-Ordens in den Saal. Zur Musik einer fünfköpfigen Lifeband traten
weitere türkische Folkloretänzer und Tänzerinnen mit typischen
Darbietungen auf. Das Publikum wurde mitgerissen, vor allem der umwerbende Tanz
von „Fetzer“-Ali und dem „Bauchtanz“-Kai waren die Höhepunkte
des Abends. Wir verließen mit guter Laune das Fest und fuhren heim, denn
wir hatten nur eine kurze Nacht vor uns. Zu unserer Trauer erfuhren wir, dass
Yasim die Gruppe verlassen wird. Wir hatten insgeheim schon einen Plan ausgetüftelt...
doch wir ließen ihn traurig gehen.
5. Tag Dienstag 04.10.05
Nach 6 Stunden Schlaf und ohne Frühstück kamen alle aus ihren „Löchern“
gekrochen. Wir fuhren zum Jugendzentrumsleiter Esersaat und wurden in seinem
Büro empfangen. Natürlich alles hoch offiziell! Wir bekamen unseren
ersten Tee und der Jugendzentrumsleiter erzählten von seinen Aufgaben und
Hobbys. Es wurden Geschenke überreicht und jede Menge Fotos geschossen.
Nach diesem Empfang machten wir gemeinsam mit dem Leiter einen Spaziergang zum
Gouverneur Selahattin Hatipoglu. Wir nahmen im Vorzimmer Platz. Mit uns warteten
dort die örtliche Presse, Fernsehanstalten und mehrere Abteilungsleiter.
Wir besorgten uns noch fix Blumen und waren startklar für den Empfang.
Bei unserem Einlass wurden wir alle einzeln per Handschlag vom Gouverneur höchst
persönlich empfangen und von den Fernsehanstalten gefilmt. Dies wurde am
Abend im zweistündigem Rhythmus als Tagesnachricht gesendet. Der offizielle
Teil begann: Es wurden Danksagungen ausgesprochen, Gastgeschenke von Kai, Britta
und Ali überreicht und als wichtigstem Teil die Landesflaggen ausgetauscht.
Danach nahm sich der Gouverneur vergleichsweise viel Zeit für uns und wir
durften zu einem Smalltalk Platz nehmen. Uns wurden Tee und Cola serviert. Er
schwärmte und lobte die deutsch- türkische Partnerschaft im Bereich
der Jugendarbeit und war für alle Fragen offen. Auch auf unsere kleine
Bitte hin, Yasin, einen türkischen Leader, wieder zu unserer Gruppe zu
holen, reagierte der Gouverneur sofort. Er tätigte einen Telefonanruf zum
Kultur- und Erziehungsdirektor und befahl Yasin sofort von seiner Arbeit für
die Zeit des Jugendaustausches frei zu stellen und ihn mit dem Dienstfahrzeug
des Direktors abholen zu lassen. Am Abend wurde Yasin mit Beifall im Bus wieder
empfangen. Wir fuhren zum Abendessen zu Ozan, einem türkischen Jugendlichen,
der letztes Jahr Flensburg besucht hatte. Es wurde ein Grillabend im Dorf veranstaltet.
Das Ambiente war super. Gut gesättigt fuhren wir zu den Abendnachrichten
zurück ins Gästehaus und ließen den Tag ausklingen.